Chronik der Kraichgauschule Gondelsheim

Seit wann in Gondelsheim eine Volksschule besteht, ist heute leider nicht mehr nachzuvollziehen. Aus der Ortschronik von Wilhelm Spengel, Lehrer in Gondelsheim von 1948 bis 1965, ist zu erfahren, dass im Jahre 1607 erstmals ein Gondelsheimer Schulmeister in einem Schriftstück erwähnt wird. Bei den aus heutiger Sicht wohl mehr als bescheidenen Schulverhältnissen war er allein für die Schulausbildung verantwortlich. In der Zeit des Dreißigjährigen Krieges und auch danach ruhte der Schulbetrieb gänzlich, denn die Überlebenden mussten alle Kräfte darauf richten für ihr Obdach und die notwendige Nahrung zu sorgen. Erst im ausgehenden 17. Jahrhundert konnte auch in Gondelsheim der Schulbetrieb wieder aufgenommen werden. Der Plan zur Organisation des deutschen Schulwesens von Johann Peter Hebel wurde erst 1829 in die Tat umgesetzt. Die Schulaufsicht lag in der Hand der Kirche. Staatliche Zuschüsse für den Bau von Schuleinrichtungen kannte man in jener Zeit nicht. Ab 1860 wurde laut Gesetz die Schulaufsicht ausschließlich Sache des Staates, die Kirche behielt nur die Aufsicht über die religiöse Unterweisung.

Das Schulgebäude in Gondelsheim befand sich damals in der Nähe der evangelischen Kirche beim heutigen Kriegerdenkmal. Da es sich in einem sehr schlechten baulichen Zustand befand, wurde nach langjährigem Bemühen im Jahre 1880 beim Rathaus eine neue Schule im Weinbrenner Stil errichtet. Für die damalige Zeit war diese Bildungseinrichtung geradezu luxuriös, denn die Schüler konnten nun in vier Räumen von zwei Lehr- und zwei Hilfskräften unterrichtet werden.

Zu Beginn der 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts genügte dieses Gebäude nicht mehr den räumlichen und pädagogischen Ansprüchen einer zeitgemäßen Bildungsstätte. Der Gemeinderat, unter Vorsitz des damaligen Bürgermeisters Heck, entschloss sich deshalb an der Obergrombacher Straße ein neues Schulgebäude zu errichten. Das alte Schulgebäude steht seither den örtlichen Vereinen als Domizil zur Verfügung.

Als die neue Schule schließlich im Jahre 1965 eingeweiht wurde, galt sie mit seinen elf Klassenzimmern, einer modernen Schulküche, einem Physik- sowie einem Technikraum als die modernste Volksschule im Kraichgau. Einzigartig war zu jener Zeit auch das großzügige Lehrschwimmbecken, das von allen Schülern genutzt werden konnte, jedoch Ende der 90er Jahre aus Kostengründen stillgelegt werden musste.

Bereits im Jahre 1966 wurde die damalige Volksschule im Rahmen der Schulreform in eine Grund- und Hauptschule umgewandelt, die seither auch von den Hauptschülern aus Neibsheim besucht wird, was schon bald wieder zu räumlichen Engpässen führte. Klassengrößen über vierzig Schüler waren zu jener Zeit keine Seltenheit. Die Einführung der Fachbereiche Arbeit-Wirtschaft-Technik (AWT) brachte ebenso weitere strukturelle Veränderungen mit sich.

Um den Schulstandort Gondelsheim auch für die Zukunft zu sichern, investierte die Gemeinde mit Unterstützung des Landes Baden-Württemberg ab Ende der 80er Jahre nahezu fünf Millionen DM in die Generalsanierung sowie die Erweiterung der Schule. Diese Sanierungsarbeiten waren abgesehen vom Lehrschwimmbecken Mitte der 90er Jahre abgeschlossen und die Schule erstrahlte in freundlichen und lebendigen Tönen, was nicht zuletzt auch der Initiative der Eltern und des Lehrerkollegiums zu verdanken war.

Im Erweiterungsbau mit seinen sechs Klassenzimmern, zwei Gruppenräumen und einem neuen Physiksaal war die Werkrealschule untergebracht.

Aus Achtung vor der Kulturlandschaft, in der wir leben, wurde der Grund- und Hauptschule im Jahre 1995 der Name „Kraichgauschule“ verliehen.

Bereits im Jahr 1991 wurde der Kraichgauschule auch ein Werkrealschulzug angegliedert, der in Kooperation mit der Dietrich- Bonhoeffer- Schule geführt wurde. Seither werden auch Schüler/-innen aus dem Bruchsaler Stadtteil Heidelsheim an der Kraichgauschule unterrichtet.

Im Zuge der Partnerschaft der Gemeinde Gondelsheim mit der französischen Gemeinde Droué wurde 1980 auch eine Schulpartnerschaft zwischen den Schulen beider Gemeinden eingegangen, die bis heute einen regen Schüleraustausch mit sich gebracht hat. Hier können Schüler ihre Sprachkenntnisse, die sie u.a. im Rahmen des Förderprogramms „Lerne die Sprache des Nachbarn“ erworben haben, zur Anwendung bringen. Aus Anlass des 25jährigen Bestehens dieser Partnerschaft wurde im Schulhof  ein Partnerschaftsbaum gepflanzt.

Mit der Einführung der „Verlässlichen Grundschule“ hat sich in Gondelsheim der Verein „Kernzeitbetreuung e. V.“ gegründet, der inzwischen in zwei Fachräumen der Schule Grundschüler über die Unterrichtszeit hinaus betreut und sehr stark frequentiert wird.

In Zeiten wirtschaftlicher Rezession, die vor allem die Kommunen sehr hart traf, war es wichtig einen Förderverein zu haben, der die Schule ideell und materiell unterstützt. Die Gründung dieses Fördervereins an der Kraichgauschule im Jahre 2001 war ein Meilenstein in der weiteren Schulentwicklung. Die Tatsache, dass die langjährige Elternbeiratsvorsitzende Frau G. Huber den Vorsitz übernahm, ließ die Mitgliederzahl schon bald auf annähernd 100 Personen ansteigen. Neben den Jahresbeiträgen und Spenden erwirtschaftet der Förderverein durch viele außerschulische Aktivitäten beachtliche Finanzmittel, die den Schüler/-innen und der Schule hundert Prozent zugutekommen. So konnten unter anderem eine Vitrine eingebaut werden,  Kletterutensilien angeschafft, Lernecken eingerichtet sowie der Schulhof erweitert und mit Bewegungs- und Balanciergeräten versehen werden. Der musische Bereich wurde durch Anschaffung von Instrumenten immer wieder bereichert. Außerdem werden sozial schwächer gestellte Familien bei Klassenfahrten und Schullandheimaufenthalten ihrer Kinder finanziell unterstützt. Der Vorsitz ging im Jahre 2007 auf Frau B. Hahn über, die davor dem Elternbeirat vorstand.

An der Spitze der schon immer sehr aktiven Elternschaft  stand  seit 2007 die Elternbeiratsvorsitzende Frau P. Vogel. Sie wurde im Jahr 2013 von Frau M. Aleßio abgelöst, die bis heute den Vorsitz innehat.

Die Ausstattung des Computerraumes mit neuen vernetzten PCs als „Musterlösung Windows 2000“ war für die weitere Schulentwicklung ebenso wichtig, wie die Tatsache, dass Herr Wachter, unterstützt von Herrn Crocoll, die EDV-Anlage mit viel Einsatz auf Vordermann hielt. Die Bildungsplanreform 2004 brachte viele Neuerungen an der Kraichgauschule. So wurde zum Beispiel ein Kurssystem eingerichtet, bei dem sich die Schüler klassenübergreifend einwählen konnten. Ebenso wurden den Hauptschulklassen zwei Klassenratstunden zugewiesen, in denen schwerpunktmäßig verschiedene Kompetenzen eingeübt werden können. Während die Kernfächer in den ersten vier Unterrichtsstunden auf dem Stundenplan standen, schlossen sich die Projekte in den Fächerverbünden ab der 5. Unterrichtsstunde an. Der Wechsel erfolgte  jeweils in Tertialen. Bis zum Ende des Schuljahres 2007/2008 wurde die Werkrealschule im Modell 7 + 3 in Kooperation mit der Dietrich-Bonhoeffer-Schule Bruchsal-Heidelsheim geführt, wobei seit der Bildungsplanreform 2004 die Werkrealschulklassen bzw. Hauptschulklassen im Wechsel der beiden Schulen eingerichtet wurden, damit eine Hauptschulklasse  und eine Werkrealschulklasse geführt werden konnte. Aufgrund der zurückgehenden Schülerzahlen und der daraus resultierenden Neustrukturierung der Bruchsaler Hauptschulen, wurde die Werkrealschule in Gondelsheim künftig laut Beschluss der Schulkonferenz nach dem Modell   9 + 1 geführt. Dies kam gleichzeitig dem neu erarbeiteten integrativen Konzept des Praxiszuges, beginnend mit den Hauptschülern Klasse 8, entgegen, die das Berufsangebot in Gondelsheim und Neibsheim kennen lernen sollten. Im Jahr 2008 wurde die Kraichgauschule fremdevaluiert, wobei der Schule eine gute Arbeit attestiert wurde. Das Kurssystem und die Fächerverbünde wurden über die Jahre optimiert und den neuen Anforderungen angeglichen. Ab dem Schuljahr 2010/11 bekam die Schule den Status einer neuen einzügigen Werkrealschule. Dadurch wurde die Kraichgauschule zu einer Wahlschule, die Schulbezirke wurden geöffnet und so kamen immer mehr Schülerinnen und Schüler aus den Stadtteilen von Bretten und Bruchsal. Dies führte bald zu einer Zweizügigkeit.

Das pädagogische Konzept der Kraichgauschule entwickelte sich ständig weiter. Es orientierte  sich am Wohle der uns anvertrauten Kinder, am Wandel der Zeit, an den neuen Erkenntnissen der Pädagogik,  an den Anforderungsprofilen der Arbeitswelt und den gegebenen Familiensituationen.          

Deshalb wurde zum 1. Oktober 2012 durch die Gemeinde ein Antrag auf Einrichtung einer Gemeinschaftsschule gestellt.  Die Genehmigung erfolgte  im Januar 2013 und ab diesem Zeitpunkt  liefen die Vorbereitungen für den ersten  Durchgang in der Gemeinschaftsschule auf vollen Touren. 54 Kinder starteten im September 2013 mit dieser neuen Schulform, die neben Neuerungen in der Unterrichtskonzeption auch einen Ganztagesschulbetrieb mit sich brachte.

Es folgten im Jahr 2014 in der 5. Jahrgangsstufe  69 Anmeldungen und die Kraichgauschule wuchs auf 19 Klassen mit über 380 Schülerinnen und Schülern und rund 40 Lehrerinnen und Lehrern an. Darüber hinaus unterstützen Lernbegleiter und Sonderpädagogen bei Förderbedarf.

Der Ganztagesbetrieb und die  Gemeinschaftsschule setzten bestimmte räumliche Vorgaben voraus, was eine einjährige Umbauphase der Schule neben dem laufenden Schulbetrieb notwendig machte. Dies wurde zu einer großen Herausforderung für alle Beteiligten und beinhaltete einen immensen Finanzierungsaufwand für die Kommune. Es entstanden eine neue Mensa, vier neue Klassenräume, ein großes Lernatelier und ein neuer Naturwissenschaftsraum. Mit der heutigen 50–Jahrfeier der Schule werden diese neuen Räumlichkeiten geöffnet und für den Schulbetrieb freigegeben.

Während die Schule früher vornehmlich Lernort für die Kinder und Jugendlichen aus  Gondelsheim und der unmittelbaren Umgebung war, steht sie heute für Schüler und Schülerinnen aus 18 verschiedenen Ortschaften der näheren und weiteren Umgebung offen.

Im Juni 2013 wurde der  Schule erneut das BORIS – Berufswahlsiegel bis 2018 verliehen und damit beste Bewertungen bei der Berufsvorbereitung der Schülerinnen und Schüler testiert, was auch für die Schülerschaft der Gemeinschaftsschule von großer Bedeutung sein wird.